angststörung

Unser Körper, unser Freund

Panikattacken und körperliche Symptome – warum der Körper bei Angst für uns arbeitet

Viele Patientinnen und Patienten kommen mit einer zentralen Frage in meine psychotherapeutische Praxis in Wiesbaden:

„Was ist los mit meinem Körper?“

Sie leiden unter Panikattacken oder Angststörungen und erleben plötzlich intensive körperliche Symptome. Dazu gehören Enge in der Brust, Herzrasen, erhöhter Puls, Schwindel, Hyperventilation oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden. Besonders beunruhigend ist für viele Betroffene, dass diese Beschwerden häufig im Ruhezustand auftreten – abends auf der Couch oder nachts im Bett.

Der Körper wird dann schnell als Feind wahrgenommen. Doch diese Sichtweise verstärkt oft die Angst. Ein anderes Verständnis kann entlasten.

Angststörung und Körper – die Spirale der Angst

Bei Angststörungen entsteht häufig eine sogenannte Angstspirale. Ein körperliches Symptom wird wahrgenommen – etwa Herzklopfen oder Druck in der Brust. Der Verstand reagiert sofort mit bedrohlichen Gedanken:

„Was, wenn das gefährlich ist?“
„Was, wenn ich die Kontrolle verliere?“

Diese Gedanken verstärken die körperliche Alarmreaktion. Puls und Atmung verändern sich weiter, die Angst nimmt zu. Körper und Gedanken treiben sich gegenseitig an. Genau hier setzt Psychotherapie an: Sie hilft, diese Spirale zu erkennen und zu unterbrechen.

Wo der Körper schmerzt, sitzt oft der innere Konflikt

Auffällig ist, dass körperliche Symptome bei Angst häufig an ganz bestimmten Stellen auftreten. In der therapeutischen Arbeit zeigt sich immer wieder: Die betroffene Körperregion steht oft symbolisch für einen inneren Konflikt.

So berichtete eine Patientin mit wiederkehrenden Panikattacken über Herzrasen und Enge in der Brust. Medizinisch gab es keinen Befund. Im Verlauf der Therapie wurde jedoch deutlich, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse dauerhaft zurückstellte, Emotionen unterdrückte und sich stark an den Erwartungen anderer orientierte.

Der Wunsch, endlich wieder lebendig zu sein und den eigenen Rhythmus zu spüren – am Puls des Lebens – spiegelte sich deutlich in den körperlichen Symptomen wider.

Psychosomatik: Wenn die Psyche über den Körper spricht

Die Verbindung zwischen Psyche und Körper ist eng. Gefühle, die keinen Ausdruck finden, ungelöste Konflikte oder chronische Anspannung können sich über körperliche Symptome zeigen. In der Psychosomatik verstehen wir diese Beschwerden nicht als Einbildung, sondern als sinnvolle Signale.

Der Körper übernimmt eine wichtige Aufgabe: Er macht aufmerksam auf innere Prozesse, die bisher keinen Raum hatten.

Psychotherapie in Wiesbaden: Den Körper wieder als Verbündeten erleben

So belastend körperliche Angstsymptome auch sind – sie sind kein Zeichen von Schwäche. Vielmehr zeigen sie, dass etwas im Inneren gesehen, verstanden und verändert werden möchte.

In der Psychotherapie geht es darum,

  • die Angstreaktionen des Körpers zu verstehen

  • innere Konflikte bewusst zu machen

  • neue Wege im Umgang mit Stress, Gefühlen und Bedürfnissen zu finden

Wenn wir aufhören, gegen unseren Körper zu kämpfen, kann er wieder zu dem werden, was er eigentlich ist: ein verlässlicher Verbündeter.

Der Körper warnt uns nicht, um uns zu schaden, sondern um uns zu schützen.

"Die Angst hat die Kontrolle übernommen"

“Ich bin Sklavin meiner Symptome”. Zwei Frauen leiden unter Angststörungen und Panikattacken. Dieser Artikel hat mich inspiriert, weil er die Kraft unserer Psyche aufzeigt.

Angst ist eine gesunde Reaktion auf einen Außenreiz, der uns vor der Gefahr schützt. Aber wenn die Angst den Menschen einschränkt, lähmt, zum Stillstand bringt, “Ihr Leben spielt sich hauptsächlich in den eigenen vier Wänden ab”, dann ist es an der Zeit etwas zu tun. Da die körperliche Abklärung negativ ist, werden diese Patienten nach Hause geschickt, ohne Befund, ohne Antwort… es bleibt ein Rätsel.

Angst geht oft mit Depression einher

Die Isolation schreitet fort mit den Gedanken “ich werde sowieso nicht ernst genommen”. Dies ist auch der Grund, warum viele Angstpatienten Depression als Komorbidität aufweisen.

Einer meiner Patienten konnte früher keine öffentlichen Verkehrsmitteln mehr benutzen, weil er permanent das Gefühl hatte, zur Toilette zu müssen. Dabei hatte er immer davor schon Wasser gelassen. Er litt unter einer schweren Depression, Angststörungen, Panikattacken und sozialen Phobien. Er fühlte sich natürlich permanent beobachtet. Dank einer psychotherapeutischen Behandlung in meiner Wiesbadener Praxis sind alle Störungen irgendwann verschwunden und er konnte zum ersten Mal ein normales Leben führen.

Verständnis finden bei Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen sehe ich neben einer Psychotherapie als wichtige Stütze, um sich ohne Scham über ein bekanntes Thema auszutauschen und unter Gleichgesinnten schnell Abhilfe zu schaffen. Auf einmal wird man gehört und verstanden. Ja, es geht nicht nur mir so, sondern anderen Menschen. Ich bin “okay” und nicht alleine in der Situation. Erleichterung macht sich breit. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist damit getan. Jetzt kann der Prozess angestoßen werden. Aussichten auf Verbeserungen sind da.

Die innere Kraft nutzen und aktiv werden

Deshalb möchte ich hiermit Menschen ermuntern, bei Angststörungen sich früh genug Hilfe zu holen. Aus dem Gefühl der Machtlosigkeit ins Tun kommen, das ist der Schlüssel zur positiven Veränderung. Wir unterschätzen oft die Kraft, die in uns steckt, Hürden zu überwinden und wieder die Kontrolle über unser Leben zu übernehmen. Wir sitzen am Steuer!

Zum Artikel in der Kreiszeitung “Wochenblatt”