beziehungsglück

Beziehungsglück beginnt bei uns selbst

Warum der Partner nicht unser „Messias“ sein kann

Viele Menschen kommen mit einer großen Sehnsucht nach Beziehung in meine Praxis. Oft steckt dahinter der Wunsch, endlich anzukommen, endlich glücklich zu sein. Nicht selten wird diese Hoffnung unbewusst auf den Partner oder die Partnerin projiziert. Er oder sie soll das innere Leeregefühl füllen, alte Verletzungen heilen und dem Leben Sinn geben. Fast so, als käme nun endlich der „Messias“, auf den man so lange gewartet hat.

Doch genau hier beginnt häufig das Problem.

Die Illusion vom rettenden Anderen

Wenn wir glauben, dass ein anderer Mensch uns dauerhaft glücklich machen kann, überfordern wir ihn – und uns selbst. Kein Partner kann all unsere Bedürfnisse erfüllen, unsere inneren Konflikte lösen oder uns vor schmerzhaften Gefühlen bewahren. Die anfängliche Verliebtheit mag sich wie Erlösung anfühlen, doch spätestens im Alltag zeigt sich: Auch diese Beziehung bringt Herausforderungen, Enttäuschungen und Konflikte mit sich.

Viele Beziehungen scheitern nicht an mangelnder Liebe, sondern an überhöhten Erwartungen.

Beziehung braucht innere Stabilität

Damit eine Beziehung gut gelingen kann, ist es entscheidend, dass jeder Mensch zuerst eine tragfähige Beziehung zu sich selbst entwickelt. Das bedeutet:

  • sich als Individuum anzunehmen – mit Stärken und Schwächen

  • die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und ernst zu nehmen

  • Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen

  • emotionale Grundbedürfnisse nicht ausschließlich im Außen zu suchen

Wie ich meinen Klientinnen und Klienten in meiner Praxis in Wiesbaden oft sage:

„Eine Beziehung ist die Kirsche auf dem Kuchen – aber den Kuchen müssen Sie zuerst selbst backen.“

Dieser „Kuchen“ steht für Selbstfürsorge, Selbstwert und emotionale Eigenständigkeit.

Was heißt es, für das eigene Glück zu sorgen?

Für das eigene Glück zu sorgen bedeutet nicht, alles alleine machen zu müssen oder keine Nähe zu brauchen. Im Gegenteil: Es geht darum, sich nicht selbst aufzugeben, um geliebt zu werden.

Dazu gehören Fragen wie:

  • Was brauche ich, um mich innerlich stabil zu fühlen?

  • Woher kenne ich das Gefühl, dass mir etwas fehlt?

  • Welche Erwartungen trage ich unbewusst an meinen Partner heran?

Diese Fragen sind oft eng mit früheren Beziehungserfahrungen, der Herkunftsfamilie oder alten Verletzungen verbunden. In der Psychotherapie können solche Muster behutsam sichtbar gemacht und verändert werden.

Beziehung als Begegnung zweier Ganzer

Wenn zwei Menschen einander begegnen, die bereits gelernt haben, gut für sich selbst zu sorgen, entsteht eine andere Qualität von Beziehung. Nähe wird dann nicht aus Angst vor dem Alleinsein gesucht, sondern aus Verbundenheit. Konflikte werden weniger als Bedrohung erlebt und mehr als Möglichkeit zur Entwicklung.

Eine solche Beziehung darf bereichern, vertiefen und Freude schenken – ohne die Verantwortung für das eigene Glück abzugeben.

Bewusstere Beziehungen mit Hilfe der Psychotherapie

Eine erfüllende Partnerschaft ist kein Ersatz für innere Leere und kein Heilmittel für alte Wunden. Sie kann jedoch ein wunderbarer Raum sein, in dem zwei Menschen wachsen – wenn beide bereit sind, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Manchmal braucht es Unterstützung, um diesen Weg zu gehen. Psychotherapie kann helfen, alte Erwartungen zu hinterfragen, neue innere Stabilität aufzubauen und Beziehungen bewusster zu gestalten.

Denn das größte Geschenk, das wir einer Beziehung machen können, sind wir selbst.